Wer hat’s gemacht?

Wer hat’s gemacht?

Das Thema Digitalisierung scheint beim derzeitigen Bundeswahlkampf gerade besonders en vogue zu sein (Bemerkenswert: Jahre, nachdem die Piraten hip waren). Als vorbildlicher Wähler schleppte auch ich mich auf eine dieser Veranstaltungen, in denen mir 60jährige Männer im Ruhestand erzählen, was Arbeiten 4.0 sein wird. Dabei fiel ein Satz der mich von meinem Instagram-Newsfeed hochschauen lies: „Die Digitalisierung wird nur von Informatikern und Mathematikern gemacht! Das sind die Studiengänge, die wir fördern müssen.“ Vor meinem inneren Auge entzündete sich mein Abschluss in Philosophie und Germanistik spontan selbst, als ich mein iPhone wegsteckte.

Man möchte bei solchen Aussagen dringend zu einem Besuch im Museum of Failures in Helsingborg (Schweden) raten, um einmal über die Erfolgsfaktoren von Produkten beziehungsweise Technologien zu sprechen. Das Museum beinhaltet eine interessante Sammlung gescheiterter Produkte, darunter auch beispielsweise der Vorläufer des iPhones: der Apple Newton. Ein Versuch, auf dem damals aufkommenden Trend der PALM-Handhelden aufzuspringen. Zwar erreichte das Produkt Kultstatus, aber für eine digitale Wende wie das iPhone hat es nicht gereicht. Und so was aus der Innovationsschmiede Apple! Wie kommt’s?

Der entscheidende Faktor bei technischen Innovationen ist nicht allein der Hersteller, sondern vor allem der Verbraucher. Man spricht hier gerne von der sogenannten Usability. Der Newton beispielsweise war aus vielen Gründen kein massentaugliches Produkt. Die Lehren wurden gezogen und Jahre später folgte das iPhone. Ein Knüller!

Diese Aussage lässt sich auf neue Apps, Produkte und technische Innovationen übertragen. Wenn man ein Produkt nicht mehr aus der Hand geben mag, weil es den Alltag angenehmer gestaltet, eine Lücke schließt oder schlichtweg unterhält, dann haben wir einen Kandidaten für einen „Wandel“.

Was brauche ich also für eine gute digitale Idee? Eine Marktlücke, eine kreative Idee, diese zu schließen und eine schlüssige Umsetzung. Natürlich auch die stetige Bereitschaft meine Idee und die Usability auf das gleiche Level zu heben. Muss ich selbst dafür Informatiker oder Mathematiker sein? Nein. Was wirklich nötig ist, sind kreative Denker und logische Umsetzer in einem Team. Also liebe Germanisten und Informatiker – vereint euch!