Sprechen und Schreiben

Viele Agenturen sagen:

Die Leser im B2B wollen genau so angesprochen werden wie Privatpersonen. Sie möchten fetzige Texte und Stories, die sie unterhalten, und bloß nicht mit Produkteigenschaften oder gar technischen Details gelangweilt werden. Sie sind ja schließlich auch ganz normale Menschen und deshalb interessiert sie das nicht die Bohne. Außerdem machen die Amis das auch so, und die sind ja bekanntlich die Größten, wenn es um Marketing und PR geht.

Was sie damit eigentlich meinen:

Wir haben keinen blassen Schimmer von den Produkten und Technologien unserer Kunden. Und wir haben auch nicht vor, daran etwas zu ändern, indem wir uns damit auseinandersetzen und uns in diese Themen einarbeiten. Das wäre ja furchtbar anstrengend.

Wir sagen:

Liebe Unternehmen, lasst euch keinen Bären aufbinden. Die Verantwortlichen investieren durch ihre Entscheidungen häufig viel Geld und riskieren damit einiges. Deswegen möchten sie sehr wohl über die genauen Eigenschaften eines Produkts und seine technischen Details informiert werden. Durch sie hebt sich ein Produkt schließlich meistens ab und wird damit überhaupt erst interessant. Diese Aspekte kann eine Agentur aber nur strategisch und überzeugend kommunizieren, wenn es sie kennt und versteht. Natürlich kommt es dabei auch auf die Verpackung an. Selbst die überzeugendsten Fakten werden nur wahrgenommen, wenn sie in lesenswerten und spannend geschriebenen Texten stehen. Aber einfach nur die Verpackung zum Inhalt zu machen und auf die Fakten zu pfeifen, das ist zu wenig.

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Ich muss mich outen: Ich bin ein Fan von den IT-Business-Newslettern – beziehungsweise dem morgendlichen Begrüßungstext von eben diesen. Einfach köstlich! Gestern griff Heidi Schuster ein Thema auf, was mich auch schon seit längerem beschäftigt. Studien! Zu allem und jedem. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. So hat A10 Networks den Application Intelligence Report rausgebracht mit dem Ergebnis, dass „im Gegensatz zum internationalen Vergleich nur 12 Prozent der Deutschen lieber ihre Hose verlieren würden als ihr Smartphone. In allen anderen Ländern gibt die Hälfte der Befragten an, lieber ihre Hose anstatt ihr Mobiltelefon verlieren zu wollen.“

Bitte???

Die Frage in der Studie war wie folgt gestellt: Wenn Sie einen der folgenden Gegenstände verlieren würden, welcher wäre Ihnen am liebsten? Antwort: Hose, Smartphone, Autoschlüssel oder Geldbörse. Hmpf! Ich stimme Schuster komplett zu, die schreibt: „Also mal ehrlich! Ich erwarte von jedem normal denkenden Menschen, dass er in diesem Fall lieber die Hose verliert. Denn die ist am wenigsten wert, hat keine Telefonnummern oder Fotos gespeichert und ist am leichtesten wiederzubeschaffen.“ (IT-BUSINESS-Newsletter vom 6. Juni 2017) Wie man letzten Endes seine Hose verliert, ist sicherlich eine andere Frage ...

Aber was soll mir das Ergebnis nun mitteilen? Man kann sich über den Unsinn dieser Studie sicher nicht streiten, enthüllt sie doch aber noch ganz andere Phänomene: Erstens nämlich, dass Studien jeglichen Themas den Globus überschwemmen. Zweitens, wenn man kein Thema hat, dann bastelt man sich eins. Und drittens, wenn eben rauskommen soll, dass man lieber die Hose als sein Smartphone verliert, dann stelle ich die Fragen eben dementsprechend. Egal, ob das Sinn macht oder nicht. Ganz nach dem Motto: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Interessant wären sicherlich auch die Antwortmöglichkeiten gewesen mein Kind, Smartphone, Autoschlüssel oder Geldbörse. Wie hätten Sie da entschieden? Oder Kassette, Amiga 500, Gameboy oder Smartphone? Hier befragen wir natürlich nur alle U25-Personen. Auf welche Superkräfte würden Sie eher verzichten können: Unsichtbarkeit, Selbstheilungskräfte, Gedankenkontrolle oder Adamantium-Krallen ... Na gut, lassen wir das.

Nehmen wir unser „Hosen-runter-für-das-Smartphone“-Thema wieder auf. Studien genießen nach wie vor eine hohe Glaubwürdigkeit, da sie unabhängig und nicht manipulierbar scheinen, die Meinung Dritter kundtun, weil sie auf Zahlen und Fakten beruhen und greifbare Ergebnisse liefern. Dass wir durchaus nicht immer alles glauben, sondern hinterfragen beziehungsweise uns mal die Grundlage der Ergebnisse anschauen sollten, zeigt auch ein aktuelles Beispiel, das gerade durch die Presse geht: „Der konzeptuelle Penis als soziales Konstrukt.“ Danach soll der Penis Schuld am Klimawandel sein. Diese Quatsch-Studie hat es tatsächlich in das renommierte Wissenschaftsmagazin „Cogent Social Sciences“ geschafft. Mit erfundenen Quellen, sinnlosen Sätzen und haarsträubenden Thesen, wie der Spiegel berichtet. Und was zeigt das? Wie einfach es ist, Unwahrheiten zu verbreiten – und das meint nicht nur Fake News über Facebook sondern ebenso Texte unter dem glaubwürdigen Deckmantel der Wissenschaft.

112,5 Prozent der unter 25-Jährigen halten den Gameboy für Adamantium-Krallen und würden dafür durchaus die Hose verlieren, wenn sie dafür das Smartphone gedanklich kontrollieren könnten ...

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Die digitale Transformation ist eine der wichtigsten Herausforderungen für Unternehmen, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass die digitale Transformation schon heute ein echtes Zukunftsthema ist. Das heißt in der Praxis aber auch: Morgen wird niemand mehr daran vorbei kommen. Die digitale Transformation verändert Unternehmen und wirkt sich dabei massiv auf Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und IT-Strategien aus. Tatsächlich bedeutet die digitale Transformation nicht weniger als einen Quantensprung. Doch den Weg in die digitale Zukunft bewirkt das gesamte Unternehmen, und kein Chief Digital Officer (CDO) alleine, denn digitale Transformation schließt immer auch einen Kulturwandel ein: Unternehmen müssen die eigene digitale Transformation auch wollen. Doch auch wenn die Digitalisierung alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft erfasst und mit immer höherer Geschwindigkeit prägt – im Mittelpunkt steht der Mensch, als Entscheider und Gestalter der digitalen Transformation.

Allerdings verfügen viele Unternehmen noch nicht einmal über eine digitale Strategie, geschweige denn über eine digitale Agenda, die diesen Namen auch verdient: Vor allem der deutsche Mittelstand droht, die digitale Transformation und damit seine eigene Zukunft zu verschlafen, wenn er die Transformation hin zu digitalen Geschäftsmodellen verpasst. Gleichzeitig ist der digitale Wandel keine Modeerscheinung, sondern längst Realität. Obwohl es, ebenfalls gleichzeitig, überall an digitaler Reife fehlt.

...

Es ist schon so: Wenn die digitale Transformation nicht bereits erfunden wäre, man müsste sie zeitnah neu erfinden. Marketing-Abtei­lungen und Redaktionen aller Medien – Bereiche, die im Zuge der digitalen Transformation sowieso immer enger zusammenwachsen – haben damit einen echten Volltreffer gelandet. Die obigen Absätze belegen es überdeutlich: Man kann mit der digitalen Transformation und drum herum jede Menge echten Content produzieren, ohne dass dabei irgendwelche inhaltlichen Aussagen im Wege stehen würden.

Nebenbei kann man dabei sehr gut beobachten, dass der digitale Schwurbel korrespondierend zum inhärenten Substanzverlust (loss of substance – LOS) zu verstärkter Metaphernbildung anregt – mein Favorit der Woche (nein, der unvermeidliche Mensch im Mittelpunkt hat es diesmal knapp nicht geschafft): "… mit immer höherer Geschwindigkeit prägt." Stellen wir uns das für einen kurzen Augenblick mal bildlich vor … jeder muss zugeben, so ein High-Speed-Präging ist doch nur digital möglich.

Zum Abschluss soll noch etwas anderes durch ein paar konkrete Zahlen aus der Zukunft unterfüttert werden, die die Experten von Roland Berger aufsummiert haben:

Falls Europa die Chance verpasst, die digitale Transformation zum eigenen Vorteil zu gestalten, summieren sich die möglichen Einbußen bis 2025 auf 605 Milliarden Euro.

Falls man ein Freund runder Schätzungen ist, fragt man sich natürlich: Wo mögen nur diese möglichen 5 Milliarden Euro herkommen? Aber das wäre schon wieder ein anderes digitales Thema. Vielleicht liegt es ja auch am 2025 möglicherweise geltenden Euro-Kurs (nebenbei bemerkt: bei einer echten Herausforderung, die alles transformiert, hätte ich, im Fall dass es komplett schiefgeht, schon mit deutlich höheren möglichen Einbußen gerechnet). 

Ganz zum Schluss (einer geht noch) soll deshalb (=warum nicht?) noch ein echter Experte zu Wort kommen; Professor Walter Brenner von der Universität St. Gallen, den ich hierfür ganz bewusst ausgewählt habe, weil sich St. Gallen in Schlussworten immer gut macht, jedenfalls viel besser als beispielsweise Passau oder Bremerhaven (schon mal ein Schlusswort eines Experten von da gehört? Na also!):

Die individuellen Potenziale oder auch Bedrohungen entscheiden darüber, wie sich die Unternehmen der Digitalisierung nähern.

Das kann man nur vollinhaltlich unterstreichen – Beton ist ja auch, was man individuell draus macht.

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Dass wir keine IT-Scheuklappen aufhaben, beweist nun auch unser Kollege Rainer Doh sehr eindrucksvoll mit seinem ersten Krimi „Mordkap“.

Richtig gehört: kein weiteres Fachbuch zu Excel & Co, nein – ein Krimi.

Wir durften vor ein paar Wochen bereits alle ein handsigniertes Exemplar in Empfang nehmen und haben dabei nicht schlecht gestaunt: ein Krimiautor in unseren Reihen? Denn nur sehr wenige Kollegen wurden im Vorfeld eingeweiht.

Die Handlung von „Mordkap“ spielt großenteils an Bord des legendären Postschiffes MS Midnatsol der norwegischen Hurtigruten. Mehr wird aber an dieser Stelle nicht verraten.

Da ich seit über 20 Jahren kiloweise Krimis verschlinge, war ich natürlich sehr begeistert, dass wir einen waschechten Krimiautor unter uns haben. Aber wie kommt man darauf, ausgerechnet einen Krimi zu schreiben, wenn man sich beruflich eigentlich nur IT-Themen widmet, und woher kam die Idee für die Story? Diese Fragen musste ich natürlich gleich loswerden und weil sie vielleicht nicht nur mich umtreiben, haben wir ein kurzes Interview dazu gedreht – natürlich dem Rahmen der Story „angemessen“.

Übrigens gibt es auch einen Blog zum Buch. Wer also an weiteren Hintergründen oder an Terminen zu Lesungen (nächste am 23.6. in München) interessiert ist, kann hier nachlesen: https://mordkap.wordpress.com  

Viel Spaß beim Anschauen und natürlich beim Lesen!

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Können Sie sich noch erinnern, wie sie als Kind manchmal irgendein Wort immer und immer wieder vor sich hin gesagt haben? Solange, bis es jeden Sinn verlor?

So ähnlich treibt es die PR- und Marketingbranche mit dem Wörtchen „Lösung“. Jedes Produkt und jede Dienstleistung – und seien sie noch so profan – sind heute eine Lösung. Die Lebensmittelindustrie liefert keine Lebensmittel mehr, sondern „Ernährungslösungen“. Der Werkzeugbauer baut keine Werkzeuge mehr, sondern „Werkzeuglösungen“. Und Bankberater ziehen ihre Kunden nicht mehr über den Tisch, sondern bieten ihnen „Beratungslösungen“.

Klar, das klingt halt einfach viel besser. Eine Lösung setzt schließlich ein kniffliges Problem voraus. Und um es zu beseitigen, braucht es unbedingt jemanden, der kompetent ist, innovativ, und, ähem, „lösungsorientiert“.

Ich warte jedenfalls schon voller Vorfreude auf den Tag, an dem ich in meine Stammkneipe gehe, mir die Getränkekarte schnappe und dort lesen werde: „Alkoholisierungslösungen“. Wobei – das wird nicht klappen. Alkohol ist ja bekanntlich keine Lösung.

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Die Köstliche Intelligenz macht weiter Fortschritte. Aus unserem Alltag ist sie schon – na was wohl? – nicht mehr wegzudenken! Dabei habe ich es durchaus versucht, das Wegdenken. Hat aber nichts genutzt. Sie war dann gleich wieder da, die KI – in ihrer derzeit beliebtesten Erscheinungsform der Autovervollständigung.

Und was bringen simple Buchstabendreher mit KI für wundersame Erscheinungen hervor. Aus "Ziel" wird "Sie", aus "Usus" macht sie "USA" und erst vor ein paar Tagen vervollständigte KI aus "Die Sache ist wegen …" kurzerhand "Die Sache Mistwegen …" (in welchen Kontexten wohl ein Begriff wie "Mistwege" eine Rolle spielt, wäre in einem separaten Beitrag zu klären). Auf die Frage "Wann können wir telefonieren?", antwortet mir ein Geschäftspartner: "Ab 9. Oktober." Natürlich will gut Ding Weile haben, aber man wundert sich Anfang März schon ein wenig über das Ausmaß der guten Weile. Eine Viertelstunde später kam die Auflösung: "Sorry. Blödes Autovervollständigen, ich meine ab 9 Uhr." Ja KI, da wäre dann sogar das ursprüngliche "9 Ohr" kommunikativer gewesen. In diesem Sonne: Leber nieder wegschenken.

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Wer kennt das nicht: Sobald man Freunden oder Verwandten davon erzählt, was man eigentlich den ganzen Tag so in der Arbeit treibt, verstehen die nur Bahnhof:

„Wir trafen uns asap im Meetingroom, um den Confcall per Webcast abzuhalten.“

„Wir hatten eine Telco, in der wir ein kurzes Briefing bekamen, welche Key Targets es gibt und welche Competitors wir monitoren sollen.“

Und das Schlimme daran: einem selbst fällt dieses Denglisch, die Möchtegern-Abkürzungen und der Wortakrobatik-Schmarrn im Arbeitsalltag eigentlich schon gar nicht mehr auf.

Ein Experiment: Versuchen Sie doch mal im PR-Alltag ohne englische Wörter auszukommen. Und? Wie lange halten Sie durch? Und vor allem: Wie lange halten Ihre Geschäftspartner durch? Teilweise sucht man sogar vergebens nach einer deutschen Variante – oder fällt Ihnen spontan ein Wort für Pitch ein?

Noch mehr Phrasen gibt’s bei Spiegel online: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bullshit-phrasen-im-buero-manager-sprech-ueben-mit-bullshit-o-mat-a-1004202.html

Und wem das nicht reicht, der kann sich auch gleich noch seinen neuen interessanten Jobtitel selber basteln: http://www.spiegel.de/karriere/games/jobtitel-generator-neue-berufsbezeichungen-fuer-angeber-und-aufschneider-a-771682.html

Wie wäre es mit einem

oder

oder damit

Och, einer geht noch:

Das klingt doch nicht schlecht und es kommt mal ein bisschen Bewegung in die ganzen langweiligen, unkreativen PR-Job-Bezeichnungen (deren Bedeutung von Agentur zu Agentur sowieso uneinheitlich und schleierhaft ist) wie Account Manager, Senior Account Manager, Account Director, Assistant Account Executive, Referent – schnarch!

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Liest man sich US-amerikanische Pressemitteilungen im Original durch, wünscht man sich manchmal einen Downer zur Hand – so sehr putscht einen die Woge der Begeisterung auf, die einem hier entgegenschlägt. Alles ist „cutting-edge“, „industry-leading“ und natürlich „amazing“. Und selbst die neue Druckerpatrone ist so geil, dass sie die Produktivität steigert, die Effizienz erhöht, die Kosten dramatisch senkt und glücklichen Unternehmen zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verhilft.

Schon klar, das liegt an den kulturellen Unterschieden. Wir Deutsche sind notorische Bedenkenträger, nüchterne Langweiler und alles. Wir wägen Für und Wider x-mal ab, prüfen alle Details und zicken am Ende dann immer noch rum. Entsprechend sachlich sind auch unsere Journalisten. Sie wollen Fakten, Fakten, Fakten – und sonst nix. Ganz anders dagegen in den Staaten. Hier langweilen sich die Journalisten nur, wenn sie mit technischen Details belästigt werden. Sie wollen Emotionen! Optimismus! Begeisterung!

Das sagen zumindest die Urheber der Pressemitteilungen immer. Nur komisch, dass sich davon in den amerikanischen Fachzeitschriften so rein gar nichts findet. Sie sind mindestens genauso kritisch, distanziert und faktenorientiert wie hierzulande – und teilweise sogar noch bissiger. Ganz in der großen langen Tradition der freien US-Presse. Sind die Unterschiede also vielleicht doch gar nicht so groß? Und erfindet sich hier einfach eine Branche eine ihr genehme Realität?

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Alles wird immer virtueller. Server schon lange, bald auch ganze Rechenzentren und die Realität ja sowieso. Da besteht durchaus die Gefahr, den Bezug zur gegenständlichen Welt zu verlieren.

So haben wir heute bei der Abstimmung eines Textes mal wieder eine beliebte Diskussion gehabt. Will man einen Server, also ich meine einen echten, ein Ding, von seinem virtuellen Pendant abgrenzen, muss man dann von einem „physikalischen“ oder einem „physischen“ Server sprechen? Oder ist das schlichtweg wurscht?

Ein kurzer Blick in den Duden klärt auf. „Physikalisch“, steht da geschrieben, bedeutet die Physik ­– also die Naturwissenschaft – betreffend. „Physisch“ dagegen meint „körperlich, natürlich“. Also eigentlich ein ganz einfacher und sonnenklarer Fall.

Warum hat sich die falsche Bezeichnung dann so weit verbreitet und kann sich bis heute so hartnäckig halten? Stecken da mal wieder die PR- und Marketingabteilungen dahinter, die ja einen einschlägig bekannten Hang zur Sprachpantscherei haben und der Meinung sind, dass „physikalisch“ irgendwie besser, Entschuldigung „hochwertiger“ klingt? So wie „Fragestellung“ statt „Frage“?

Auch wenn sie diese Schelte natürlich grundsätzlich immer verdienen, sind sie in diesem Fall wohl ausnahmsweise unschuldig. Viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen „False Friend“ handelt. Das englische Wort „physical“ klingt zwar sehr ähnlich wie das deutsche „physikalisch“, bedeutet aber sowohl „physikalisch“ als auch „physisch“:


Quelle: http://www.merriam-webster.com/dictionary

In diesem Sinne: Again what learned.

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Ich habe noch nie so viel über das Wetter und die kommenden Aussichten gelesen wie in den letzten Jahren. Und was es alles für schöne Wortspiele gibt ... Cloud sei Dank!

Zunächst waren die weiteren Aussichten heiter bis wolkig, dann doch eher nebulös, später dauerhaft bedeckt, mit strichweisem oder örtlichem Regen und nun der Wetterwechsel: langsam verschwinden die Wolken, die Sonne kommt. Kaum ein Wetterszenario, das die Cloud nicht inspiriert hätte. Und vergessen wir nicht die Cloud selbst: Schäfchen- oder Gewitterwolke? Schönwetterwolke oder dunkle Wolke mit warmen Regen? Sonnenschein oder Sturmfront?

So wechselhaft wie das Wetter gestalten sich auch nach wie vor die Stimmen rund um das Thema Cloud Computing – selbst nach mehreren Jahren. Handelt es sich um die heitere Zukunft des Unternehmens oder doch eher um eine Gewitterwolke aus Sicherheitslücken, kommt man beim Notfallmanagement vom Regen in die Traufe, regnet es mittlerweile womöglich schon Daten, ist ein Teil der Datenwolke auf ewig vom Winde verweht oder hebt die Wolke gar ab? Können wir mit Sicherheit sagen, dass wir nicht im Regen stehen werden, während die Konkurrenz schon die Gummistiefel an hat?

Man sollte meinen, dass mittlerweile jegliche Wortspiele und Assoziationen ausgeschöpft wären, aber man findet immer wieder welche: die Cloud tönt etwas nebulös nach Luft und Wasserdampf. Alter Wein in neuen Wolken. Es liegt was in der Wolke. Deutsche Unternehmen halten sich beim Thema Cloud Computing noch weitgehend bedeckt. Liebe Wolke, dich schickt der Himmel! Und diese Woche erst gesehen: Mehr als ein Wolkenkuckucksheim. Erlaubt sei bitte auch die Frage: Heute schon ge-cloud?

Dazu kann man mittlerweile sogar Motto-Shirts bestellen und sich offiziell als Cloud-Junkie bekennen. Der Wolke sind anscheinend keine Wettergrenzen gesetzt; keine Nebelwortschwaden, die zu dicht wären – um beim Bild zu bleiben.

Dabei finde ich die wenigsten Wortspiele witzig. Mir fällt gerade nur ein Einziger ein, den ich wirklich mal geistreich fand – nicht aus dem Cloud-Umfeld (da sucht man vergebens), aber dafür passend im Rahmen der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft: Nach dem 4:0 der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die Argentinier im WM-Viertelfinale 2010 hatte sich ein auf den Straßen feiernder deutscher Fan auf sein T-Shirt mit frontaler Klett-Option folgendes Motto selbst kreiert: „Ein echter Tango muss weh tun“! Wie wir wissen, waren die Aussichten für die nächsten Tage dann ja doch nicht so freundlich, eher sehr stark bewölkt: wir sind im Halbfinale gegen Spanien rausgeflogen. Keine Sonne pur, sondern wolkenverhangener Himmel.

Und die Cloud? Wie werden die Aussichten nun sein? Sonnig, freundlich, heiter, bewölkt, zunehmend bewölkt, wolkig mit Aufheiterungen ...

Vielleicht muss man sich diesbezüglich einfach an die Reinhard-Mey-Strategie halten: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!

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