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Bemerkenswertes wird aus Südostasien gemeldet:

Aufgrund von zahlreichen Cyberattacken will die singapurische Regierung fast alle Behördenrechner vom Internet trennen – rund 100.000 Computer. […] Laut Premierminister Lee Hsien Loong sei es 'absolut notwendig' die Behördenrechner auf diese Weise zu schützen […]. Dass es durch die Trennung vom Internet zu Verzögerungen in den Behördenabläufen kommen könne, sei der Regierung bewusst. Dies nehme man aber für den Zugewinn an Sicherheit in Kauf. […] Weil Cyberangriffe aber immer ausgeklügelter ausgeführt würden, müsse man reagieren. Heise online vom 14. Juni 2016

Nun kann man davon ausgehen, dass sich die Behörden von Singapur einigermaßen mit IT auskennen, dass sie mit dem Internet nicht erst seit gestern rummachen und dass dort auch diverse Sicherheitsexperten arbeiten. Und dass man sich diesen (möglichen) Schritt, der nicht so recht ins digitale Zeitalter passt, gut überlegt hat, kann man auch annehmen.

Als jemand, der zwar ans Internet angeschlossen ist, aber über deutlich weniger IT- und Security-Ressourcen verfügt als die Behörden von Singapur, kann man da schon nachdenklich werden. Wenn die es nicht mal schaffen, ihre Systeme zu sichern …

Und noch etwas: Vor diesem Hintergrund erscheinen die ständigen Appelle an die Verantwortung der User (Hast du dein Passwort gewechselt? Hast du einen Virenscanner installiert? Hast du auch und tust du auch …? Wenn nicht: SELBER SCHULD!) erst recht … sagen wir mal: sachfremd.

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Die digitale Transformation ist eine der wichtigsten Herausforderungen für Unternehmen, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass die digitale Transformation schon heute ein echtes Zukunftsthema ist. Das heißt in der Praxis aber auch: Morgen wird niemand mehr daran vorbei kommen. Die digitale Transformation verändert Unternehmen und wirkt sich dabei massiv auf Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und IT-Strategien aus. Tatsächlich bedeutet die digitale Transformation nicht weniger als einen Quantensprung. Doch den Weg in die digitale Zukunft bewirkt das gesamte Unternehmen, und kein Chief Digital Officer (CDO) alleine, denn digitale Transformation schließt immer auch einen Kulturwandel ein: Unternehmen müssen die eigene digitale Transformation auch wollen. Doch auch wenn die Digitalisierung alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft erfasst und mit immer höherer Geschwindigkeit prägt – im Mittelpunkt steht der Mensch, als Entscheider und Gestalter der digitalen Transformation.

Allerdings verfügen viele Unternehmen noch nicht einmal über eine digitale Strategie, geschweige denn über eine digitale Agenda, die diesen Namen auch verdient: Vor allem der deutsche Mittelstand droht, die digitale Transformation und damit seine eigene Zukunft zu verschlafen, wenn er die Transformation hin zu digitalen Geschäftsmodellen verpasst. Gleichzeitig ist der digitale Wandel keine Modeerscheinung, sondern längst Realität. Obwohl es, ebenfalls gleichzeitig, überall an digitaler Reife fehlt.

...

Es ist schon so: Wenn die digitale Transformation nicht bereits erfunden wäre, man müsste sie zeitnah neu erfinden. Marketing-Abtei­lungen und Redaktionen aller Medien – Bereiche, die im Zuge der digitalen Transformation sowieso immer enger zusammenwachsen – haben damit einen echten Volltreffer gelandet. Die obigen Absätze belegen es überdeutlich: Man kann mit der digitalen Transformation und drum herum jede Menge echten Content produzieren, ohne dass dabei irgendwelche inhaltlichen Aussagen im Wege stehen würden.

Nebenbei kann man dabei sehr gut beobachten, dass der digitale Schwurbel korrespondierend zum inhärenten Substanzverlust (loss of substance – LOS) zu verstärkter Metaphernbildung anregt – mein Favorit der Woche (nein, der unvermeidliche Mensch im Mittelpunkt hat es diesmal knapp nicht geschafft): "… mit immer höherer Geschwindigkeit prägt." Stellen wir uns das für einen kurzen Augenblick mal bildlich vor … jeder muss zugeben, so ein High-Speed-Präging ist doch nur digital möglich.

Zum Abschluss soll noch etwas anderes durch ein paar konkrete Zahlen aus der Zukunft unterfüttert werden, die die Experten von Roland Berger aufsummiert haben:

Falls Europa die Chance verpasst, die digitale Transformation zum eigenen Vorteil zu gestalten, summieren sich die möglichen Einbußen bis 2025 auf 605 Milliarden Euro.

Falls man ein Freund runder Schätzungen ist, fragt man sich natürlich: Wo mögen nur diese möglichen 5 Milliarden Euro herkommen? Aber das wäre schon wieder ein anderes digitales Thema. Vielleicht liegt es ja auch am 2025 möglicherweise geltenden Euro-Kurs (nebenbei bemerkt: bei einer echten Herausforderung, die alles transformiert, hätte ich, im Fall dass es komplett schiefgeht, schon mit deutlich höheren möglichen Einbußen gerechnet). 

Ganz zum Schluss (einer geht noch) soll deshalb (=warum nicht?) noch ein echter Experte zu Wort kommen; Professor Walter Brenner von der Universität St. Gallen, den ich hierfür ganz bewusst ausgewählt habe, weil sich St. Gallen in Schlussworten immer gut macht, jedenfalls viel besser als beispielsweise Passau oder Bremerhaven (schon mal ein Schlusswort eines Experten von da gehört? Na also!):

Die individuellen Potenziale oder auch Bedrohungen entscheiden darüber, wie sich die Unternehmen der Digitalisierung nähern.

Das kann man nur vollinhaltlich unterstreichen – Beton ist ja auch, was man individuell draus macht.

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In den ersten Jahren von PR-COM gehörte das Thema Client-Server zu den Top-Themen. Der Begriff kam in jedem zweiten Artikel vor und man war als Redakteur gut beraten, sich ein entsprechendes Tastaturkürzel zuzulegen: "CS". Um die Frage der korrekten Schreibweise Client/Server oder Client-Server wurden Glaubenskriege geführt – als ob die Sache nicht eindeutig wäre.

Heute schaffen es Client-Server und Client/Server nur noch selten auf den Bildschirm. Ich habe eigenhändig nachgezählt: Bei Google unter aktuellen deutschen Meldungen im ganzen Juli nur magere 20 Mal. Wann habe ich eigentlich das Tastaturkürzel "CS" abgeschafft? Ein ganzes Thema wurde ohne offizielle Abkündigung und Abschiedsfeier, ohne Blasmusik und Würstchen, also weitgehend sang- und klanglos, aus dem Verkehr gezogen.

Mit SOA, einem Top-Begriff der Nullerjahre, lief es zuletzt ähnlich. Ich habe auch hier gegoogelt und werde mit der ersten News auf den australischen Kampfsportler Soa Palelei (Kampfname "The Hulk") verwiesen. Im Ernst! Und ein gewisser Timothy V. Murphy, bekannt aus "Sons of Anarchy" (SOA) hat seit 22. Juli 2015 selber einen Sohn. Unter den ersten 20 SOA-Meldungen nichts aus der IT. Und was verschwindet als nächstes? Cloud Computing? Big Data? Das Problem ist offenbar: wenn es soweit ist, merkt es keiner mehr. Also wieder nichts mit Blasmusik und Würstchen.

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Nicht nur Technologie und Unternehmen sind neu entstanden, auch die Begriffe und Redeweisen haben sich … na ja, neu erfunden:

  • Das Erlebnis: Kundenerlebnis und E-Mail-Erlebnis
  • Die Kundenerfahrung
  • Die Expertise
  • Die Agilität
  • Die 360-Grad-Sicht
  • sich neu erfinden
  • adressieren
  • xy-getrieben
  • Das Cyber-xy
  • Am Ende des Tages
  • unternehmenskritisch
  • Die Customer-Journey
  • Die Generation xy
  • Mobility/Cloud/Big-Data-Initiative
  • Die/unsere DNA
  • X ist das neue y
  • Wie cool/geil/abgefahren ist das denn?
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Wir hier bei PR-COM haben gerade in diesem Jahr auffällig oft über Kraftfahrzeuge geschrieben. Immer wieder, bei allen möglichen Themen, tauchten Autos als Beispiele auf. Connected Car, Electromobility oder autonomes Fahren sind ja Paradebeispiele für Digitalisierung, Internet der Dinge und all diese Sachen. Es zeichnete sich ab: Da tut sich was.

Und jetzt das. Diesel-Gate! Müssten wir jetzt enttäuscht sein?

Wegen dem bisschen autonomen Abgasmessen etwa? Ach was. Das zeigt doch, dass von Technikfeindlichkeit hierzulande keine Rede sein kann. In der digitalen Revolution muss sich die Automobilbranche eben, wie nennt man das heute so schön – nein, nicht verändern, nicht verbessern, nicht erneuern, noch mehr, noch größer, noch stärker – neu erfinden, danke, das war's:

"Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden."
Manager W., Chef der Firma V., nur fünf Tage vor Diesel-Gate

Und neu, also ziemlich neu, sind eben Smartphones und Apps:

"Bis Ende des Jahrzehnts machen wir jedes unserer neuen Autos zum rollenden Smartphone." W. auf der Automesse in Frankfurt nur drei Tage vor Diesel-Gate

Die Vision war jedenfalls da: Ein rollendes Smartphone – wie abgefahren (!) ist (war) das denn? Und wie müssen wir uns das konkret vorstellen? Prozessor statt Stinkemotor? Und auch so mit wischen? Also nicht nur Scheibe, sondern alles wischen? Und jeder Wischer gleich in Facebook synchronisiert?  

Und wir werden dann nicht mehr fahren sondern rollen? Warum rollen? Weil es auch "Rollenprüfstand" heißt? Zur Erinnerung: das ist da, wo man diese Sachen testet, also wo dann die Software ganz ohne wischen … – tja, man hätte damals eben ganz genau zuhören müssen.  

Die Fachpresse hat trotzdem verstanden. Sie feierte das rollende Smartphone unter anderem so:

"Autos werden Apps auf Rädern" (Welt)

Essen auf Rädern gibt's zwar schon länger, ist aber super-erfolgreich.

"Heiratsanzeige von App und Auspuff" (Augsburger Allgemeine)

Bingo! Das mit dem Auspuff war echt gut. Die Idee könnte man innovativ verlängern und dieses verdammte Stinkezeug, das immer aus dem Auspuff (old technology) strömt, endlich ganz loswerden: die rollende App soll nach ihrer Heirat das Zeug doch einfach per WhatsApp in die  … Cloud schicken.

Und die Zukunft ist schon da: Ich glaube, ich bin gestern hinter so einer Diesel-App hergefahren. Da war die Cloud schon voll realisiert.

Der neue Autofahrer rollt mit Gestensteuerung! (Quelle: IAA-Pressebilder, Impressionen-8457)

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Vor ein paar Wochen habe ich mich in diesem Blog am Beispiel der Autokorrekturfunktion ein wenig über die zweifelhaften Leistungen der Künstlichen Intelligenz mokiert.

Autokorrektur kann aber nicht nur Anlass zu Heiterkeit und guter Bürolaune sein, sie kann auch zur echten Herausforderung werden. Und als Gehirntraining für Fortgeschrittene sogar zur Förderung der natürlichen Intelligenz beitragen. Zumindest ein bisschen. Ich möchte das heute mit einem Rätsel demonstrieren.

Vor ziemlich genau einer Stunde erhielten wir ein Mail, dessen Absender hier aber nichts zur Sache tut, das mit folgender, wie sich im Lauf der Ermittlungen herausstellte, autokorrigierten Zeile endete:

Herr Shopping, sind die Montag verfügbar?

Folgende Fragen stellten sich:

  • Wer ist dieser Herr Shopping? Ein Verwandter von Herrn Mustermann?
     
  • Was will Herr Shopping kaufen?
     
  • Müsste sich die Frage nicht an Herrn Selling richten?
     
  • Um was geht es eigentlich?

Wobei die Erstleser zunächst ja nicht wussten, dass hier Autokorrektur in der Extrem-Version am Werk war; aber ich denke, es ist auch mit diesem Vorwissen nicht ganz einfach. Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird unter Ausschluss des Rechtswegs irgendwas verlost.

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Es gibt so Meldungen, da reibt man sich erst mal mit einem verwunderten "Geht's noch?" die Augen:

Amazon erprobt offenbar ein Uber für Logistik: Beim Projekt 'On my way' sollen sich private Fahrer über eine App als Kurier melden können und dann Pakete an die Kunden ausliefern. 
(Heise online vom 17.06.15)

Aber wenn sich die Idee ein wenig gesetzt hat … doch, ja, das könnte gehen.

Die Einwände der ersten Stunde sind jedenfalls wenig stichhaltig: Was ist, wenn ein Paket verloren geht? Wer haftet? Was ist, wenn der Nachbar dann doch keine Lust hat, die Pakete auszuliefern? Was, wenn er sich auf dem Weg das Bein bricht? Ich bin mir sehr sicher, das wird Amazon alles regeln; am besten nach dem beliebten Prinzip "selber schuld", denn Amazon wird sich sicher nicht Tausende von Risiken ans Bein binden. Notfalls gibt es halt eine saftige Vertragsstrafe für jedes gebrochene Bein.

Auch an Interessenten wird es nicht mangeln: Noch mitten in der Erörterung von Für und Wider in meinem geliebten Heise-Forum (nirgends ist man näher an der Stimmung des Publikums) kann es einigen Diskussionsteilnehmern, zum Beispiel dem mit dem lustigen Nick-Namen "Herr_Mal-Ware", nicht schnell genug gehen mit dem Ich-will-auch-mitmachen:

Paket abholen, kleinen Schlenker fahren, parken, klingeln, Paket abgeben. Vermutlich 15 Minuten Aufwand, wenn ich neben Amazon wohne und direkt am Empfängerhaus vorbeikomme und alles glatt läuft. Ich arbeite nicht umsonst, sagen wir: 20 Euro Stundenlohn, Freundschaftspreis. Davon ausgehend, dass ich mich nicht davon ernähren muss (sonst ginge unter 40 Euro bei Selbständigkeit gar nichts): 5 Euro. Plus PKW-Nutzungskosten. Sagen wir großzügig: 5,20 Euro.
(Forum Heise online vom 18.06.15)

Dieser Kandidat musste sich aber von anderen Foristen belehren lassen, er solle bei seiner Kalkulation besser die 5 weglassen und also mit einem Freundschaftspreis von 20 Cent pro Auslieferung rechnen. Sagen wir großzügig: das erscheint tatsächlich realistischer. Wenn alles glatt läuft, aber das tut es bestimmt.

Denn eines ist schon klar: Amazon denkt sich das alles ja nicht aus, damit die Menschen in unseren anonymen Großstädten wieder mehr zusammenkommen ("Grüß Gott, mein Name ist Huber, ich bring' Ihnen das Packerl, wo Sie bestellt haben." "Ui, das ist nett, Herr Huber. Dankschön. Woll'n S' nicht auf eine Tasse Kaffee reinschauen?", "Ja recht gern, ich hab' grad zufällig auch einen Marmorkuchen dabei."); auch wenn wir mit Sicherheit in irgendeinem Forum/Blog bald von diesem kommunikativen Nebeneffekt hören werden. "On my way" ist wie die Amazon-Drohne ein Konzept, um die lästigen Speditions- und Logistikkosten, von denen Amazon nichts hat, zu reduzieren. Hier eben durch Integration von Mitmenschen, die wie Herr Huber sowieso nichts Besseres zu tun haben und die deshalb auch bloß auf den Cent schauen und nicht so auf den Euro.

Aber, und das muss man hier mal sehr kritisch anmerken, diese Innnovation bleibt auf halbem Weg stehen. Sie ist nicht ausgereift, nicht zu Ende gedacht. Transport und Logistik sind teuer, ja, aber doch nur aus dem Grund, weil die Dinge so weit voneinander weg sind: Kunden hier, Sachen da; und alles völlig unstrukturiert dazu. Hier muss man doch ansetzen. Die Lösung des Distanz-Problems kann daher nur sein, dass wir alle bei Amazon einziehen. Dann braucht es weder Drohnen noch Mitbürger, die uns was bringen, weil alle Dinge schon da sind, und wir auch: "On my home". So geht das. 

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Unternehmen wollen in der Öffentlichkeit möglichst gut dastehen, weshalb sie überhaupt erst mal in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden müssen, wozu sie die Dienste der PR in Anspruch nehmen. So denken wir uns das. Vielleicht ist das aber nur aus dem voreingenommenen Blickwinkel der PR so, vielleicht befinden wir uns auch mitten in einer Filterblase und merken es nicht mal. Es gibt nämlich auch Unternehmen, die das Thema Öffentlichkeit ganz anders anpacken.

Da hatte ich doch kürzlich mit einem durchaus renommierten mittelständischen Technologie-Unternehmen (den Namen lasse ich jetzt bewusst weg, dazu später mehr) zu tun; es ging um eine recht simple Sache: Bildmaterial. Auf der Website war nichts zu finden; leider auch kein Ansprechpartner oder Pressekontakt. Also schnell Telefon über die dortige "Zentrale" mit Bitte um Durchstellen zur zuständigen Stelle.

Denkste! Eine Weitervermittlung käme grundsätzlich nicht in Frage, das Anlegen müsse schriftlich per E-Mail (immerhin!) an "info@" vorgebracht werden. Auch die Hinweise, die Sache sei (a) etwas eilig, (b) schnell zu erledigen (und sei es nur durch die Auskunft "Hamwanich") und (c) "info@" berge die große Gefahr der Fehlleitung, halfen nicht. Schriftlich. Punkt.

Ok, also schriftlich. Möchte jemand raten, wie es ausging? Ja? Es gibt allerdings nichts zu gewinnen, weil es so wenig schwierig ist. Natürlich habe ich von diesem Unternehmen bis heute keine Antwort erhalten; auch nicht schriftlich. Man sieht: es geht auch in unserem digitalen Medienzeitalter ohne öffentliche Wahrnehmung. Deshalb wurde das Unternehmen hier auch nicht namentlich genannt, es wäre ihm bestimmt nicht recht. Einer von uns beiden steckt wohl in einer Filterblase.

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Die Köstliche Intelligenz macht weiter Fortschritte. Aus unserem Alltag ist sie schon – na was wohl? – nicht mehr wegzudenken! Dabei habe ich es durchaus versucht, das Wegdenken. Hat aber nichts genutzt. Sie war dann gleich wieder da, die KI – in ihrer derzeit beliebtesten Erscheinungsform der Autovervollständigung.

Und was bringen simple Buchstabendreher mit KI für wundersame Erscheinungen hervor. Aus "Ziel" wird "Sie", aus "Usus" macht sie "USA" und erst vor ein paar Tagen vervollständigte KI aus "Die Sache ist wegen …" kurzerhand "Die Sache Mistwegen …" (in welchen Kontexten wohl ein Begriff wie "Mistwege" eine Rolle spielt, wäre in einem separaten Beitrag zu klären). Auf die Frage "Wann können wir telefonieren?", antwortet mir ein Geschäftspartner: "Ab 9. Oktober." Natürlich will gut Ding Weile haben, aber man wundert sich Anfang März schon ein wenig über das Ausmaß der guten Weile. Eine Viertelstunde später kam die Auflösung: "Sorry. Blödes Autovervollständigen, ich meine ab 9 Uhr." Ja KI, da wäre dann sogar das ursprüngliche "9 Ohr" kommunikativer gewesen. In diesem Sonne: Leber nieder wegschenken.

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Über Segen und Fluch von Bewertungen im Web habe ich in diesem Blog schon ein paar Mal geschrieben (zuletzt im August). Dass bei solchen Bewertungen nicht immer nur um vermeintlichen Kleinkram wie Toner, Tablets oder Urlaubsreisen gehen muss, zeigt ein Fall über den kürzlich Die Welt berichtete. Obwohl … um Urlaubsreisen ging es auch da.

Der Hintergrund: Zwei Bieter, der eine aus China, der andere aus Italien, wollten Mitte 2014 den Tourismuskonzern Club Med übernehmen. Im Rahmen der "Bieterschlacht" soll es, laut Welt, nicht mit rechten Dingen zugegangen sein:

Angebliche Experten hätten unter falschen Namen als Gastautoren Artikel auf diversen Internetportalen veröffentlicht, um Marktteilnehmer zu beeinflussen, berichtet die Seite "JDN".

Der italienische Bieter sollte offenbar von diesen Experten gezielt schlechtgemacht werden. So ganz richtig ist es aber nicht, was Die Welt berichtet, denn bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die "angeblichen Experten" durchaus richtige Experten waren, vielleicht nicht für Unternehmensübernahmen, aber bestimmt für Unternehmenskommunikation: 

"JDN" ist selber einem vermeintlichen Experten aufgesessen, wie das Internetportal zugibt. Ein sich Marc Fortin nennender Mann, der sich als Finanzanalyst von MFR Business ausgegeben habe, habe bei "JDN" im Dezember einen Artikel veröffentlicht und darin Punkt für Punkt die Offerte Bonomis kritisiert, berichtet das Portal.

Um Fortins Identität Glaubwürdigkeit zu verleihen, seien sogar extra Konten bei Twitter, LinkedIn und Google+ eingerichtet worden, inklusive eines falschen Lebenslaufs. Bei der Rückverfolgung der IP-Adresse, über den Fortins Artikel eingereicht wurde, stellte "JDN" dann fest, dass diese von Mitarbeitern der Unternehmen Allo-Media und iStrat genutzt werde. […] IStrat bezeichnet sich als Spezialist für "Beeinflussungskommunikation".

Profis eben. Allerdings gehört die Verbreitung falscher Finanzinformationen nach geltender Rechtslage mehr auf die Seite "Fluch". Daher ermittelt jetzt die französische Justiz. Bonomi hat sich mittlerweile aus der Bieterschlacht zurückgezogen.

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Artikel ohne Bilder, das geht nicht – und im "Web-Zeitalter" schon gleich gar nicht. Allerdings ist es nicht immer einfach, ein Bild zu finden, das schön anzuschauen und das auch noch zum Text passt. Hat man endlich eines, dann ist immer noch nicht Ruhe. Dann braucht man noch eine Bildunterschrift.

Vielleicht sollte man sich da aber einfach nicht so einen Kopf machen. Die gute alte FAZ – "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" – machte sich auch keinen und löste das Problem Anfang der Woche so

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Ich bin, darauf habe ich in diesem Blog bereits mehrfach hingewiesen, ein Fan von Bewertungsportalen. Nichts wird mehr gebucht oder gekauft ohne Blick in Holidaycheck oder Amazon. Bei Amazon findet man nicht nur Bewertungen, es werden auch – die Community lebt! –  von Lesern/Foristen konkrete Fragen zu Produkten beantwortet. Was sehr lehrreich sein kann.

Zum Beispiel die folgende Diskussion zum Multifunktions-Laserdrucker Dell B1165nfw:

Kann man mit diesem Gerät per WLAN scannen (d.h. der Scan wird per E-Mail versendet oder in einer Cloud-Lösung wie bspw. Evernote gespeichert)?

gefragt von René X am 24. August 2014

Worauf René innerhalb weniger Tage drei Antworten erhielt:

U. X antwortete am 25. August 2014:
Da ich "nur" den Dell B1160 habe (nicht mal den Dell B1160w - WLANfähig) kann ich die Frage leider nicht beantworten. Müsste mich auch schlau-googeln. Es gibt auch eine Dell-Kunden-Hotline, die man tagsüber anrufen kann. Viel Glück!

Heide X antwortete am 25. August 2014:
Wir haben das Gerät B1160w u das kann überhaupt nicht scannen.

Dominik B. antwortete am 27. August 2014:
Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich werde es demnächst mal austesten.

Wichtig ist ja auch, dass man miteinander im Gespräch bleibt.

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Es gibt Meldungen, die glaubt man zunächst gar nicht. Deshalb hatte ich mich zuerst verlesen: Regierung will ungern Datenverkehr im Internet besteuern …

Wie bitte? Wieso ungern? Steht das etwa schon zur Debatte? Habe ich etwa eine gesellschaftliche Diskussion verpasst? Dann habe ich meine Brille geschrubbt:

Die Regierung in Ungarn will den Datenverkehr im Internet besteuern. Je Gigabyte sollen rund 50 Cent an den Staat abgeführt werden.

Ich finde: Das ist eine überzeugende Antwort auf gleich mehrere Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Auf Cloud Computing zum Beispiel – in Ungarn ist das künftig kein Problem mehr. Dieses Fotos-und-Musik-Rauf-und-Runterladen, muss das überhaupt sein? Und wenn doch: Für jeden gestreamten HD-Film (da sind schnell mal ein paar GB beisammen) kann ein Kinderkrippenplatz eingerichtet werden. Oder Bandbreite ausgebaut werden. Um mehr HD-Filme zu streamen, mit denen dann wieder mehr Bandbreite …  

Von Ungarn lernen heißt, reich werden lernen. Ich übergebe das Wort einem FAZ-Leser, der die Meldung zur Internetsteuer so kommentiert:

Ungarn wirbt mit dem niedrigen Pauschalsteuersatz von 16% auch um Ausländer. Bratislava wurde damit zu einer der reichsten Städte der EU, vor Berlin und Wien.

Finde den Fehler. Gewinne ein Gigabyte. Noch unversteuert.

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Es gibt sie noch, die Menschenfreunde, die Altruisten, die Selbstlosen, jene Leute, die zuerst an die anderen denken, Mitmenschen, die auch heute ganz nach der Maxime unseres Johann Wolfgang von Goethe leben: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut". Neulich haben sie sich anlässlich eines für sie erfolgreichen Gerichtsverfahrens geoutet. Es sind die deutschen Verlage und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Es ging um den Handel mit gebrauchten E-Books. Die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hatte gegen einen Online-Buchhändler geklagt, der in seinen AGs den Weiterverkauf von E-Books untersagt hatte. Das darf er, wie mittlerweile rechtskräftig entschieden wurde.

 

E-Book-Autor Goethe – stets Freund einer gut gefüllten Börse
Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Wir erinnern uns: E-Books, das sind diese digitalen "Inhalte", die man nicht verschenken, nicht verleihen, nicht auf ein anderes Lesesystem mitnehmen und eines Tages nicht einmal vererben kann, auch wenn man sie gekauft und vollumfänglich bezahlt hat – beziehungsweise man kann sie zwar voll bezahlen aber nicht wirklich kaufen, sondern man kann immer nur ein "Nutzungsrecht" erwerben, welches nicht übertragbar ist. Die betreffenden Kauf-mich-Buttons sind hier vielleicht ein bisschen ungenau:

Kaufen ohne zu kaufen – E-Book-"Kauf" bei Amazon

Kaufen ohne wirklich zu kaufen – E-Book-"Kauf" bei Amazon

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist mit dem Ausgang des Prozesses natürlich hochzufrieden.

"Das nun rechtskräftige Urteil ist ein wichtiges, positives Signal“, sagt Prof. Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Und nein, der Professor Sprang dachte dabei mitnichten an die Börsen der Verlage, für die er im gleichnamigen Verein eintritt. Er ist schließlich … siehe oben Goethe:  

„Die Entstehung eines ,Gebrauchtmarkts‘ für E-Books und Hörbücher kann weder im Sinne der Autoren, Verlage und Händler noch der Kunden sein. […]

Für Verlage wäre es unmöglich, digitale Buchinhalte gut und kostengünstig für den Leser anzubieten, die Autoren angemessen zu vergüten und gemeinsam mit dem Handel weiter an nachhaltigen und kundenfreundlichen Download-Modellen für Bücher zu arbeiten.“

Schluchz. Wir Leser sagen "Danke". Und ganz besonderen Dank dem Börsenverein im Namen der Börsen von Tausenden von angemessen vergüteten Autoren. Schnief.

Ich finde, man sollte soviel Edelmut angemessen honorieren. Ich schlage zum Beispiel vor, auch das Weiterverkaufen von gedruckten Büchern künftig zu untersagen:

Für Verlage wäre es sonst unmöglich, gedruckte Buchinhalte gut und kostengünstig für den Leser anzubieten, die Autoren angemessen zu vergüten und gemeinsam mit dem Handel weiter an nachhaltigen und kundenfreundlichen Buchhandlungen zu arbeiten.

Das klingt doch auch ziemlich gut, oder? Und hilfreich. Noch mehr Ideen? Sind E-Books nicht sowieso viel zu billig? Was könnte man mit der zusätzlichen Kohle nicht für noch kundenfreundlichere Modelle modellieren? Da müssen sich doch viel mehr nachhaltige Ideen finden lassen. Die Welt kann nicht edel genug sein.

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Erst vor wenigen Tagen hatte ich aus dem Leben eines Toner-Käufers berichtet. Das Bewertungs-Sponsoring scheint allmählich einzureißen. Etwas später war auf Heise Online Folgendes zu lesen:

Online-Shopper verlassen sich gerne auf die Erfahrungen anderer Käufer. Aber kaum jemand weiß, welchen Aufwand manche Unternehmen mittlerweile treiben, um Top-Bewertungen für ihre Produkte herbeizuzaubern.

Ein aktuelles Beispiel ist das Galaxy Tab S von Samsung: Von den insgesamt rund 80 Bewertungen auf Amazon.de stammt mehr als die Hälfte von Nutzern, die das Android-Tablet gratis erhalten haben (Stand 11. August). Vermutlich stieg dadurch die Gesamtnote von 3,5 Sternen auf 4,0 Sterne.

Samsung verteilt Gratis-Tablets


Rund 20 Rezensenten schreiben, dass Samsung ihnen ein Testgerät geschickt hat – "im Rahmen eines Produkttests", "als ausgewählter Tester" oder mit einer ähnlichen Formulierung. Was sie nicht verraten: Sie müssen das 390 bis 580 Euro teure Tablet anschließend nicht zurückschicken, sondern bekommen es als Belohnung für die Rezension umsonst.

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Heute geht es um ein strategisches IT-Thema: um Toner. Ich weiß, Verbrauchsmaterialien gelten als Paradebeispiel für etwas völlig Unstrategisches. Was aber ein Vorurteil ist, denn für Unternehmen, die mit der Herstellung und/oder dem Vertrieb von Tonern befasst sind, ist dieses Thema so strategisch, es könnte gar nicht strategischer sein. Diese Unternehmen werfen daher ihre ganze Innovationskraft auf … na ja, auf Toner eben. Und da genügt es heute natürlich nicht, einfach bloß geile Tonerkartuschen herzustellen, man muss sie schon auch gut verkaufen, draußen in einer Welt, in der Toner als Paradebeispiel für langweiliges Zeug herhalten muss.

Also sind Marketing-Innovationen gefragt und dazu gehört heute unbedingt Social Media. Nun ist Social Media manchmal eine schwierige Sache. Man kann nicht einfach ein Budget aufsetzen, verpulvern und gut ist's. Die Community muss auch noch mitspielen und die hat ihre eigenen Regeln, und wenn sie zum Beispiel einfach keinen Bock auf Toner hat, dann nutzen die lustigsten Tweets nichts. Innovatives Social-Media-Marketing besteht darin, hier ein wenig nachzuhelfen.

Und damit komme ich zu einem ganz persönlichen Einkaufserlebnis: Vor kurzem hatte ich mal wieder Lust, Toner zu kaufen, und weil ich nicht sicher war, welcher der optimalste ist, hab' ich mich im Web informiert. Genau dafür gibt es schließlich die Sozialen Netze, in diesem Fall Amazon und seine riesige Community von Produktbewertern. Ohne vorherige Rückkopplung mit diesen Bewertungen kaufe ich seit Jahren schon kein Taschenbuch, keine Waschmaschine und keinen Toner mehr. Ein Blick in die aktuellen Bewertungen relevanter Toner-Anbieter zeigte dann auch rasch: Der Toner von Hainberger ist top – über 200 Bewertungen, davon rund 180 mit fünf Sternen. Eine Heerschar begeisterter Toner-Kunden. Der muss es sein! Bestellt, geliefert, ruck zuck.

Im Karton fand ich neben der Tonerkartusche auch noch dieses Schriftstück (Hervorhebungen von mir):

Ziemlich innovativ, das lässt sich nicht bestreiten: Hainberger belohnt positive Bewertungen mit einem Gratis-Toner. Oder müsste man sagen … kauft sich positive Bewertungen? Kein Wunder, dass dieser Toner rund viermal so oft bewertet wird wie andere. Die Aussicht auf einen Gratis-Toner mag da bei einigen Kunden Motivation sein, um das Produkt zu bewerten und um es besser zu bewerten, denn für schlechte Bewertungen gibt es nichts umsonst, daran lässt das Hainberger-Marketing keinen Zweifel. Klar, wer den Hainberger-Toner für kompletten Mist hält, der will auch keinen Gratis-Mist dazu. Aber all die anderen? Geschenkter Gaul halt.

Dass sich in allen Bewertungsportalen Leute herumtreiben, die die eigenen Produkte und Leistungen in den Himmel loben, daran hat man sich ja schon gewöhnen müssen. Man weiß als Bewertungs-Powernutzer: Einige Bewertungen sind immer dabei, denen man nicht trauen kann, weil dahinter Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens stecken. Aber das ist notwendigerweise auf wenige Stimmen beschränkt. Doch nun sollen ja die Kunden auf breiter Front nicht durch Leistung, sondern durch Incentives zu Abgabe von Urteilen veranlasst werden. Amazon scheint dagegen nichts zu haben, denn offenbar läuft die Hainberger-Aktion schon länger. Ein Bewertungssystem ist damit natürlich weitgehend ausgehebelt.

Ich hätte vor der Bestellung natürlich die negativen Bewertungen meines Toners genauer anschauen müssen: Einige verärgerte Kunden vergeben extra nur einen Stern, um diese Marketing-Aktion abzustrafen:

… allein für diese Gratistoner-Masche gebe ich nun nur einen Stern, damit andere Kunden gewarnt werden, dass sie die vielen positiven Rezensionen genauer unter die Lupe nehmen.

Was aber auch keine Lösung ist, denn über Qualität und Funktionalität des Toners weiß man damit natürlich wieder nichts. Außer dass man vorsichtig sein muss. Aber dafür braucht man wirklich kein Bewertungssystem. Und kein Social Media. Und kein Amazon. Wem kann man denn jetzt noch trauen?

Kein Zweifel: Das Bewertungswesen im Web, ach was, das ganze Web steht am Scheideweg – dabei hab' ich doch nur ein wenig Toner gebraucht. 

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Über die Gewinnspannen bei Mobiltelefonen ist immer wieder spekuliert worden. Exorbitant sollen sie sein. Aber Genaues weiß man nicht. Geschäftsgeheimnis.

Aus Brasilien (ausgerechnet Brasilien!) kommt nun ein kleiner, sachdienlicher Hinweis dazu:

Neben den schlechten Geschäftszahlen ereilte Samsung auch noch eine schlechte Nachricht aus Brasilien. Dort erbeuteten Diebe bei einem aufsehenerregenden Überfall auf eine Fabrik Mobiltelefone und Computer im Wert von sechs Millionen Dollar. […]

Die Räuber sollen sich mehr als drei Stunden in der Samsung-Fabrik aufgehalten und elektronische Geräte gestohlen haben. Laut Polizei waren 20 Leute an dem Überfall beteiligt und sollen rund 40.000 Produkte mit sieben Lastwagen aus der Fabrik geschafft haben.

Während die Polizei zunächst von einem Schaden von rund 36 Millionen Dollar sprach, bezifferte Samsung selbst den Wert der gestohlenen Produkte auf sechs Millionen Dollar.

Die unterschiedlichen Beträge müssen kein Widerspruch sein, denn EK ≠ VK. 

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Seit es Blogs gibt, sind sie auch ein Thema für die Unternehmenskommunikation. Klar, sie bringen dafür schließlich ideale Voraussetzungen mit: Hier kann ein Unternehmen sich und seine Sicht der Dinge ohne jegliche Restriktionen darstellen, während man sich bei Facebook, Twitter oder YouTube an die Gegebenheiten der jeweiligen Plattform halten muss und am Ende nicht weiß, ob einem ein eingestelltes Foto überhaupt noch gehört.

Im Blog ist man dagegen Herr im Haus. Hier hat ein Unternehmen die Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie es gesehen werden will. Hier besteht die Möglichkeit, seine Ansichten über eine beliebige Auswahl von Themen, seien es Technologien, Märkte, Hintergründe, Zusammenhänge, Mitbewerber, eigene oder fremde Aktivitäten, darzulegen.

Ohne Restriktionen heißt dabei, dass man weder auf die Themenplanung oder Interessen von Medien Rücksicht nehmen muss, dass man aber auch nicht mehr unter dem unmittelbaren Diktat des Vertriebs steht, der mit jeder Aktivität ein direkt messbares Umsatzplus erreichen oder zumindest Leads generieren muss. Im Blog kann ein Unternehmen umsetzen, was Social Media verspricht: Dialog mit Kunden und Interessenten, Kommunikation in beide Richtungen.

Das war die Theorie, die bekanntlich grau ist. Wie dagegen die Praxis aussieht, zeigt eine Studie, die wir im Auftrag von uns selbst durchgeführt haben. Untersucht wurden dabei die Unternehmens-Blogs der 100 wichtigsten IT-Unternehmen in Deutschland. Die Ergebnisse waren – gelinde gesagt – ernüchternd, Näheres kann man hier nachlesen.

Lediglich 24 von 100 Unternehmen haben überhaupt Unternehmens-Blogs in deutscher Sprache, von denen – bei genauerem Hinsehen – nur sieben gehobenen Ansprüchen genügen konnten. Lob verdienten sich schließlich nur die Blogs von Datev und SAS.

Die Mängelliste der Übrigen ist lang: Bei den einen erscheinen Beiträge nur alle paar Wochen oder Monate, andere sind so gut auf den Websites versteckt, dass man meinen könnte, die betreffenden Unternehmen würden sich ihrer schämen. Wieder andere fallen durch Textwüsten oder konfuses Layout auf. Das verbreitetste Übel aber ist, dass viele Unternehmen ihren Blog für die Zweitverwertung von anderweitig erstellten Texten missbrauchen. Da werden dann Pressemitteilungen 1:1 wiedergegeben oder man stellt der Einfachheit halber gleich Marketing-Unterlagen ein.

Die Frage stellt sich: Wer will das lesen? Sollte ein Blog nicht etwas Anderes sein? Sollte er nicht inhaltliche Vielfalt bieten und persönlichen Stil? Angenehm und wenn möglich schnell zu lesen? Und war da nicht was mit Hintergründen und Zusammenhängen?

Wir haben uns, solcherart enttäuscht, natürlich gefragt, ob wir nicht falsche Erwartungen hatten. Aber wir sind nicht die Einzigen, die beim Lesen von Unternehmens-Blogs ein ungutes Gefühl haben. Wir zitieren hier ausnahmsweise etwas ausführlicher den Kollegen Nico Lumma, der Anfang des Jahres in seinem Blog "Lummaland" unter dem Titel "Die Sache mit den Unternehmensblogs" ein hartes Urteil fällte:

Die Realität sieht so aus, dass Unternehmensblogs strunzend langweilig sind. Sie sind genauso rundgeschliffen wie die Pressemitteilungen, was daran liegt, dass sie meistens aus derselben Abteilung kommen. […] Herauskommen Blogs, die vor lauter Langeweile nur so strotzen, die Jubelmeldungen schreiben, die langweiligste Blicke hinter die Kulissen bieten, ohne etwas zu verraten […]

Was ist aus der Idee geworden, den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen? Will der Kunde wirklich noch mehr Infos haben, will der wirklich wissen, wie die zuständige Produktmanagerin aussieht und welche Hobbies sie hat? […] Deutsche Unternehmensblogs sind hingegen stiefkindlich betreute Resterampen für mäßig interessante Pressemeldungen. […]

Unternehmensblogs haben ein irres Potential, da Unternehmen mit Unternehmensblogs selber die Geschichten erzählen können, die sie erzählen wollen, ohne dafür Journalisten und andere Intermediäre zu benötigen. Unternehmensblogs können faszinieren, Unternehmensblogs können inspirieren, aber insbesondere deutsche Unternehmensblogs strotzen vor Langeweile.

Lumma kommt zu dem Schluss, Unternehmensblogs seien "eines der größten Irrtümer der Kommunikationsbranche der letzten 10 Jahre". Soweit würden wir nicht gehen – immerhin haben wir ja noch fünf brauchbare und zwei gute Blogs gefunden. Aber nachdem wir ein paar Dutzend Unternehmens-Blogs angeschaut haben, wissen wir schon, was Lumma meint – und was ihn zur einer etwas inflationären Verwendung des Worts "langweilig" veranlasst hat.

Dabei sind wir auf die Sache mit dem Dialog, dem eigentlich heiklen Punkt der Unternehmens-Blogs, noch gar nicht eingegangen. Auch dazu mehr in unserem Whitepaper.


Langeweile im Blog? Katzen-Content hilft immer. 

Interview mit unserem Geschäftsführer Alain Blaes zur PR-COM-Studie über B2B-Blogs deutscher ITK-Unternehmen:

 

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So sieht die Länder-Auswahl auf der Home-Page von Oracle aus:

Suomi – France – Deutschland …  South Afrika – España – Sri Lanka …

Ja klar, ich weiß schon, wie dieses lustige Durcheinander zu Stande kommt: Erst wurde sortiert, dann übersetzt. Aber strange sieht es trotzdem aus. Und sollte nicht ein IT-Weltkonzern eine Software bauen können, die das Sortieren und Übersetzen in der richtigen Reihenfolge beherrscht? Irgendwie schon. Oder ist das der Grund, warum ich neulich von meiner Versicherung …?

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Diese Nachricht können wir natürlich nicht unkommentiert passieren lassen:

Die Nachrichtenmaschine:
 Schwäbische Software schreibt aus Daten News

… und vermutlich ist diese etwas schiefe Headline schon ein erstes Anwendungsbeispiel. Gemeint ist Folgendes: 

Die Aexea GmbH aus Stuttgart […] hat nun erstmals eine Software vorgestellt, die mit Hilfe eines semantischen Modells Daten aus verschiedenen Quellen verknüpft und anschließend automatisiert nicht nur Headlines, sondern komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert.

Aexea fährt einiges auf: Semantische Modelle, generative Grammatik und ein narratives Gerüst; herauskommen sollen "leserorientierte, verständliche und lesenswerte Texte". Bei Twitter läuft sich schon der Panikgenerator warm:

  • "Software schreibt News: Willkommen in der gruseligen SEO-Zukunft"
  • "UNHEIMLICH: Aexea hat eine Software vorgestellt, die automatisiert komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert"           
  • "Horrorszenario oder Wunschtraum? In jedem Fall Realität"

Keine Panik! Ruhig Brauner! Man muss sich nämlich die Leistungen dieser Software mal etwas genauer anschauen:

"Es ist die intelligente semantische Logik, die es der Software ermöglicht, Texte zu schreiben, die nur das Sagenswerte und Sprechbare enthalten", erklärt Frank Feulner, Leiter Software Development/ Semantic Technologies bei der Aexea GmbH.

Im Ernst, wer will solche Texte haben? Texte, die nur das "Sagenswerte" enthalten? (Seltsam: mein Bloggenerator schlägt hier das "Lesenswerte" vor, das "Sprechbare" bleibt ohne Vorschlag.) Und sonst nichts? Am Ende ist die Logik womöglich so intelligent, dass sie genau das aussortiert, was der Phrasengenerator zuvor mühsam hineingepackt hat. Das ist doch nicht praxistauglich.

Außerdem eine halbe Sache. Was wir brauchen, ist eine innovative Software, die mit Hilfe einer evidenzbasierten semantischen Content-Logikfunktionalität in der Lage ist, Texte nicht nur zu verfassen, sondern auch zu lesen. Die Engine muss über ein intelligentes 7x24-Interface die Aexea-Texte nahtlos importieren, hochperformant rezipieren und anschließend rückstandslos archivieren. Auch auf mobilen Endgeräten. Machine-2-Machine Communication – so geht Effizienz. Engines unter sich – das zeitgemäße Texterlebnis. 

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