Open-Source-Hardware ist keine akademische Fingerübung

Open-Source-Hardware ist keine akademische Fingerübung

Angefangen hat das Ganze völlig egoistisch: Vor fünf Jahren begann ein kleines Team von Facebook-Technikern mit den Arbeiten für ein besonders effizientes Rechenzentrum. 2011 ging Facebook-Chef Mark Zuckerberg dann mit den ersten Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Parallel startete das Unternehmen das Open Compute Project (OCP) und legte die Baupläne und Spezifikationen für das von Facebook entwickelte Rechenzentrum offen. Dazu hat sich schnell eine beachtliche Bewegung Gleichgesinnter zusammengefunden, die sich Ende Januar dieses Jahres bereits zum dritten Mal im kalifornischen San Jose zu einem Summit trafen. In der Zwischenzeit entwickelten die OCP-Mitglieder mehrere Motherboard- und Server-Designs für Cloud-Projekte, die außer von Cloud-Betreibern vor allem von weltweit tätigen Finanzdienstleistern wie der Bank of America oder Goldmann Sachs aufgegriffen und umgesetzt wurden. Aber auch andere Branchen mit riesigem Rechenzentrumsbedarf zeigen Interesse, etwa die pharmazeutische Industrie oder die Telekommunikation.

Dem Open-Source-Gedanken zufolge sind die Hardware-Designs entsprechend einer Lizenz der Apache Software Foundation verfügbar. Vieles läuft bei OCP aktuell noch unter einer sogenannten Permissive-Lizenz, das heißt der Lizenznehmer kann Modifikationen der Designs vornehmen und die Ergebnisse werden dann „proprietär“. Um mehr Mitglieder zu gewinnen, will die OCP Foundation künftig eher zu einem GPL-ähnlichen Modell übergehen, wie es aus dem Open-Source-Software-Bereich rund um Linux bekannt ist. Hier kann jeder ein Design modifizieren. Wird das daraus entstehende Produkt verkauft, müssen die Änderungen der Community zugänglich gemacht werden.

Eines ist klar: Das Open-Source-Modell ist nicht länger auf Software beschränkt, sondern erobert weitere Anwendungsszenarien. Aus einer Community entstehen Produkte, deren Designs und die Weiterentwicklung mit anderen geteilt werden. Server-Designs sind nur ein Beispiel, längst wird auch an Switches gearbeitet.

Um noch einmal auf den Anfang zurückzukommen: Entstanden ist das OCP ja, weil Facebook mit den vorhandenen x86-Designs nicht zufrieden war und die Sache dann selbst in die Hand genommen hat. Offene Standards, konstitutiv für das Open-Source-Modell, werden so zu einem wichtigen Antreiber für schnellere Innovationen – und die sind nicht nur in der IT-Branche dringend notwendig.