Online-Supermarkt

Die Deutschen sind konservativ; nein, ich meine nicht ihre politische Einstellung, sondern ihr Einkaufsverhalten. Auf der einen Seite nutzen sie heutzutage das Internet für nahezu alle Angelegenheiten des täglichen Lebens – nur beim Einkauf von Lebensmitteln tun sie sich schwer. Die Marktforscher von Nielsen formulieren es etwas zurückhaltender, lassen aber gleichwohl keinen Zweifel aufkommen: „Die Deutschen sind Einkaufstraditionalisten“. Wo und wie Verbraucher einkaufen, hat sich in den letzten Jahren massiv verändert – bei Lebensmitteln aber scheint die Zeit stehen zu bleiben.

Woran scheitert es? Nielsen hat darauf die Antwort: „Die Lieferung nach Hause ist ein wichtiges Thema für die Deutschen, denn mehr als die Hälfte der Verbraucher (66 Prozent) lehnen es ab, online bestellte Waren bei einer Abholstelle ('Drive Through') abzuholen, wie es beispielsweise in Frankreich sehr beliebt ist.“ Im Übrigen klappt das mit den Abholstellen auch in der Schweiz sehr gut. Der Online-Supermarkt LeShop. Die Migros-Tochter sieht in der Schweiz Bedarf für rund 50 Abholstationen. In Frankreich sollen es bereits zirka 2.000 sein. Warum sollte so etwas nicht auch in Deutschland funktionieren?

Wo auf dem Land die Lebensmittelläden verschwanden, haben in den letzten Jahren Dorfläden aufgemacht; in der Zwischenzeit sollen es rund 200 sein. Die ersten schließen aber auch wieder, weil sie auf Dauer nicht rentabel arbeiten können. Abholstellen von Online-Supermärkten wären hier eine gute Alternative. Das würde Tante Emma zu einem zweiten Leben verhelfen.

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