Soziale Netzwerke

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in einer Agentur für IT arbeite, denn um ehrlich zu sein, habe ich mir vorher um die Themen Datenschutz und Privatsphäre nur wenig Gedanken gemacht. Sicher, ich habe nicht jedes Bild auf meiner Facebook-Chronik zugelassen und niemandem durch ein Status-Update meinen aktuellen Beziehungsstatus verraten. Aber meine Schritte wurden von einem Fitness-Tracker gezählt, privat kommuniziere ich selten über einen anderen Kanal als WhatsApp und ich bin in so gut wie jedem sozialen Netzwerk vertreten – abgesehen von Snapchat, dafür bin ich einfach zu alt.

Durch meine Kunden und den täglichen Umgang mit den Themen Datensicherheit und Privatsphäre stellt sich mir nun aber immer häufiger die Frage: Warum gebe ich meine Daten eigentlich freiwillig her? Was passiert mit diesen Daten? Und vor allem: Ist es durch die fortschreitende Digitalisierung überhaupt noch möglich, meine Daten zu schützen?

Diese Fragestellung spaltet nicht nur meinen Freundeskreis, sondern auch die Gesellschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung (und zu diesem Teil habe ich lange Zeit selbst gezählt) hat sich mit dem Kontrollverlust abgefunden. Experten sprechen hier von einer Post-Privacy-Gesellschaft, also einer Gesellschaft, in der – wenigstens in der digitalen Welt – keine Privatsphäre mehr existiert. Auch Experten teilen bereits diese Sichtweise, wie beispielsweise Eugene Kaspersky in einem Interview mit Heise online:

Datenschutz ist wahrscheinlich nur noch in einem entlegenen sibirischen Dorf oder auf einer weit entfernten pazifischen Insel möglich, auf der es keinen Mobilfunk, kein Internet und keine Sicherheitskameras gibt.

Ganz so weit wie Herr Kaspersky würde ich allerdings nicht gehen. Denn einige Wenige haben den Kampf gegen die Datenkraken aufgenommen und versuchen weiterhin, die Auflösung der Privatsphäre aufzuhalten. Zahlreiche Apps bieten inzwischen sichere Alternativen zu WhatsApp, Passwort-Manager helfen bei der Verwaltung von Passwörtern, die komplizierter sind als das standardisierte Hallo1234, und auch ein verschlüsselter E-Mail-Verkehr wird zunehmend wichtiger.

Im professionellen Kontext wird der Sicherheit vertraulicher Daten zwar mehr Bedeutung beigemessen, der Tragweite sind sich aber dennoch nicht alle bewusst. Ein Bekannter von mir hat kürzlich berichtet, dass er sich mit seinen Kollegen meist via WhatsApp über aktuelle Angebote oder Quartalszahlen austauscht. Zitat: „Das ist jetzt vielleicht nicht der sicherste Kanal, aber hey!“

Das Schlimmste ist: Ich weiß genau, was er meint. Wir sind es einfach gewohnt, schnell und unkompliziert zu kommunizieren, und das am besten noch ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Dennoch sollten wir manchmal innehalten und uns kurz wundern, warum die neueste App jetzt eigentlich Zugriff zu meinen Kontakten möchte, oder uns fragen, was genau denn nun tatsächlich in den AGBs steht, und so unsere Privatsphäre in der digitalen Welt ein bisschen länger bewahren.

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Networking war noch nie so einfach: Ein Klick und die Xing-Freundschaft steht. Bei LinkedIn muss lediglich noch ausgewählt werden, aus welchem Job man sich kennt. Bei Twitter wird einfach gefolgt. Und so wächst und wächst die persönliche Kontaktdatenbank – je mehr, je internationaler, je einflussreicher, desto besser. Weltweite und lokale Social Networks von Facebook bis LinkedIn machen es möglich.

Doch ist das Profil bei den bekannten Big Playern angelegt, die Zahl der Kontakte nach oben getrieben und die Follower-Liste lang und breit gefächert, überrollt uns auch schon die Flut an News, Posts, Kommentaren, Trends, geteilten Inhalten. Und dann ‚muss’ man auch noch selbst aktiv werden oder zumindest teilen, liken, retweeten. So manch einer handelt und filtert das Ganze souverän. Andere sind ganz gut im Ignorieren, Wegklicken und Durchscrollen. Und dann sind da auch noch die, die ihren Abgang mit „Ich lösche mein Profil!“ verkünden. Doch ganz ohne Netzwerken geht es eben auch nicht. Gerade wir als PR-Experten müssen und wollen auf dem Laufenden bleiben und im großen Social-Media-Dschungel mitmischen. Da kommen sie gerade recht, die sogenannten Tribes, geschützte Austauschplattformen für engere Zusammenschlüsse kleinerer Gruppen, exklusive Kreise abseits des Mainstreams, wenn man so will. Dass es bis dato nur das eine große Social Web, die eine große Plattform gegeben hätte, auf denen sich alle User treffen und austauschen, ist ohnehin eine Illusion.

Und wir Menschen neigen nun einmal dazu, uns in geschützten Räumen und abgegrenzten Zirkeln mit gemeinsamen Identifikationsmerkmalen zusammenzufinden und wohler zu fühlen, als im großen, wilden, anonymen Getümmel. Nicht selten, weil das Gefühl der Exklusivität dem Ego schmeichelt.

Von Nett-werk bis Spiceworks Alternativen zu LinkedIn, Facebook & Co.

Taucht man so richtig in seine(n) Beruf(ung) ein, ist auch das passende Netzwerk fernab von Facebook und Co. oder zumindest eine passende Community schnell gefunden.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches „Nischen-Netzwerk“ ist Spiceworks. Das „LinkedIn für IT-Professionals“ ist eine weltweite Online-Community für IT-Fachleute. Dort tauschen sie sich über ihre neuesten Ideen und Entwicklungen aus, diskutieren Fragen aus dem Joballtag oder holen sich eine Einschätzung zu einem neuen Produkt, was auch für Hersteller spannend sein kann – quasi eine Spielwiese für Innovationen, zum Aufspüren von Trends und Bedürfnissen. Aber auch hilfreiche Tools für IT-Verantwortliche sind hier zu finden. Ein rund-um-sorglos-Paket also?

So ähnlich funktionieren auch „Frauen-Netzwerke“: lokal wie nett-werk oder die Digital Media Women mit ihren Regionalgruppen oder auch international wie beim Dell Women Entrepreneur Network. Hier tauschen sich Frauen, Unternehmerinnen, Managerinnen und Gründerinnen über Karrierethemen aus, sammeln Ideen, initiieren neue Projekte und pushen sich gegenseitig. Und das nicht nur online, sondern auch bei Meet-ups, Themenabenden, Konferenzen etc. Also auch hier: Ein Rückzug in den geschützten Rahmen.

Bleibt noch zu beachten: Überall dort, wo Menschen sich besonders geschützt und exklusiv fühlen, verhalten sie sich anders als auf einer großen virtuellen Plattform: Sie geben mehr von sich preis, sie entwickeln Vertrauen und damit eine engere Bindung an die Gruppe und einzelne Gleichgesinnte als an die breite Masse. Das erhöht die Glaubwürdigkeit von Empfehlungen, macht es aber zugleich für Firmen schwieriger, solche gezielt zu erwirken.

Also: Augen auf und je nach Ziel der nächsten PR-Kampagne auch einen Blick in die kleinen, die speziellen „Nischen“-Netzwerke werfen. Dort findet sich auch sicher die ein oder andere Influencer-Perle. Denn ein spezielles Publikum organisiert sich auch über alternative Wege im Netz.

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