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Wiederholungen sind in keinem Text gern gesehen. Aufmerksame Leser streichen das ganz zu Recht an, gern auch wiederholt. Doch man müsste den Kampf gegen Wiederholungen noch viel konsequenter kämpfen, denn da ist in den letzten 3000 Jahren echt was eingerissen:

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Wenn ich in meiner nun auch schon ein paar Jährchen dauernden Tätigkeit als Redakteur in der IT-Branche etwas gelernt habe, dann das: mein Geschichtslehrer hatte recht.

Als er mir in der 13. Klasse meine Facharbeit korrigiert zurückgab, meinte er vor versammelter Mannschaft, inhaltlich sei das ja alles wunderbar, aber komplizierte Formulierungen würden die Verständlichkeit eines Textes nicht gerade erhöhen und deshalb könne er mir auch leider nicht die volle Punktzahl geben. Wenn ich glauben würde, dass ein komplizierter Text auf einen intelligenten Autor hindeute, dann sei ich mächtig auf dem Holzweg. Das Gegenteil sei richtig.

Selbstverständlich nahm ich mir seine Worte nicht zu Herzen und tat ihn insgeheim als zu einfach gestrickt ab. Zu Beginn des Studiums wurde ich in meiner Meinung sogar noch bestärkt, denn dort konnte ich meiner Verklausulierungswut nach Lust und Laune ungestraft frönen. Als ich dann aber – als Praktikant bei einer Tageszeitung – zum ersten Mal ein Redaktionsbüro von innen sah, war es damit ganz schnell vorbei. Wer den in Redaktionen üblichen rauen Ton kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie die, ähem,  „Besprechungen“ meiner ersten Texte abliefen.

Soviel Glück scheint nicht jeder gehabt zu haben, der in der IT-Branche Texte schreibt. Gerade dort wimmelt es geradezu von Autoren, die nach dem Motto schreiben: „Je unverständlicher etwas ist, desto toller muss es sein“. Und sich dann wundern, dass ihre Traktate nicht veröffentlicht werden.

Hätten mal besser auf ihren Geschichtslehrer hören sollen.

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